Energie Aussichten

Kurzfassung der Studie „World Energy Outlook 2006”, IEA, 2006

Welt-Energie Aussichten 2006

Die Welt ist mit einer doppelten Bedrohung im Energiebereich konfrontiert: Auf der einen Seite befindet sich der adäquate und sichere Zugang zur Energie und das zu zahlbaren Preisen. Auf der anderen Seite stehen die Umweltschäden, die durch den übermässigen Verbrauch eben dieser Energie entstehen. Die in ungeahnte Höhen gestiegenen Energiepreise sowie die jüngsten geopolitischen Ereignisse haben uns daran erinnert, wie wichtig bezahlbare Energie für das wirtschaftliche Wachstum und die Entwicklung der Menschheit ist. Gleichzeitig hat sich erneut die Verletzlichkeit des globalen Energiesystems in Bezug auf Angebotsunterbrechungen gezeigt. Das Ziel, den Zugang zu Energie zu sichern, ist wieder einmal an der Spitze der Agenda internationaler Politik. Dessen ungeachtet birgt das derzeitige Energieangebot die Gefahr schwerer irreversibler Umweltschäden, die Änderung des Klimas eingeschlossen.
Die Ziele der globalen Energiesicherheit und des Umweltschutzes auf einen Nenner zu bringen, erfordert klares und koordiniertes Regierungshandeln und die Unterstützung durch die Öffentlichkeit. Dringender denn je sind vor allem die Drosselung der Nachfrage nach fossilen Energien, die zunehmende geographische Diversifizierung im Bereich des Treibstoffangebots sowie die Reduktion der das Klima destabilisierenden Emissionen.

Fossile Energie wird bis 2030 dominieren

Es wird angenommen, dass die globale Primärenergienachfrage zwischen heute und 2030 um ca. die Hälfte zunehmen wird – mit einer jährlichen Durchschnittsrate von 1.6%. Die Nachfrage wächst bis 2015 bereits um über ein Viertel. Über 70% der Nachfragezunahme in der beschriebenen Periode kommt aus den Entwicklungsländern, wobei China alleine 30% davon für sich verbuchen kann. Das grössere Wachstum in Wirtschaft und Bevölkerung dieser Länder im Vergleich zur OECD führt zu einer Verlagerung des Zentrums der globalen Nachfrage nach Energie. Beinahe die Hälfte der Zunahme im Verbrauch von Primärenergie geht zu Lasten der Elektrizitätsgenerierung und ein Fünftel wird für den Transport beansprucht, beinahe ausschliesslich in Form von erdölbasierten Treibstoffen.

Auf globaler Ebene werden die fossilen Treibstoffe bis 2030 die vorherrschende Energiequelle bleiben.

Der Ölanteil sinkt, obwohl Öl bis 2030 der grösste Einzeltreibstoff im globalen Energiemix bleibt. Die Weltnachfrage nach Öl erreicht in 2015 99 Millionen Barrel pro Tag (mb/d) und 116 mb/d in 2030 bei 84 mb/d in 2005. Kohle wird den grössten Zuwachs in absoluten Zahlen erfahren und hauptsächlich im Bereich der Energieerzeugung eingesetzt werden. China und Indien sind für fast vier Fünftel dieses Zuwachses verantwortlich. Somit bleibt Kohle der zweitgrösste Lieferant von Primärtreibstoffen, mit einem leicht wachsenden Weltanteil. Der Anteil von Erdgas steigt ebenfalls, allerdings weniger schnell. Dies liegt an den höheren Preisen. Der Anteil der Wasserkraft steigt ebenfalls leicht, während der der Nuklearenergie sinkt. Die Verwendung von Biomasse sinkt ebenfalls leicht, da die Entwicklungsländer immer mehr auf kommerzielle Energien umsteigen und das Wachstum in der Nachfrage nach Biomasse für Energie und Heizung damit wieder aufgehoben wird. Erneuerbare Energien wie Wind-, Sonnen- und Geothermalenergie wachsen am schnellsten, aber von einer kleinen Basis aus.

Die Bedrohung der Weltenergiesicherheit ist real und wächst.

Die weiterhin unkontrolliert steigende Öl- und Gasnachfrage würde zu einer zunehmenden Verletzbarkeit der Nachfrageländer bezüglich Angebots- und daraus resultierenden Preisschocks führen Die OECD-Länder sowie die Entwicklungsländer Asiens geraten in eine zunehmende Abhängigkeit von Importen, da deren einheimische Produktion nicht mit der steigenden Nachfrage Schritt halten kann. Die Produktion von konventionellem Rohöl und Erdgas ausserhalb der OPEC wird innerhalb des kommenden Jahrzehnts ihren Höhepunkt erreichen. Die OECD wird 2030 zwei Drittel ihres gesamten Ölbedarfs importieren, heute sind es 56%. Ein Grossteil davon kommt aus dem Nahen Osten entlang verletzlicher maritimer Routen. Die Konzentration der Ölproduktion auf eine kleine Gruppe von Ländern im Nahen Osten und Russland, wird deren Vormachtstellung auf den Märkten stärken und ihnen so die Möglichkeit zu Preiserhöhungen geben. Auch der Bedarf an Erdgas wird aller Wahrscheinlichkeit nach zu einem immer grösserem Teil durch Importe gedeckt, die via Pipelines oder in Form von verflüssigtem Gas von zunehmend entfernten Anbietern eingeführt werden.

Bei gleich bleibenden Energietrends, beschleunigen sich die CO2-Emissionen.

Die mit dem globalen Energieverbrauch in Zusammenhang stehenden CO2-Emissionen steigen zwischen 2004 und 2030 um 55%, oder 1.7% pro Jahr. 2030 erreichen sie 40 Gigatonnen, das ist eine Steigerung um 14 Gigatonnen im Vergleich zum Level von 2004. Die Energiegewinnung ist in der angenommenen Periode für die Hälfte des weltweiten Anstiegs der Emissionen verantwortlich. Kohle hat Öl 2003 als Hauptemittent von CO2 im Jahr 2003 überholt und wird diese Stellung bis 2030 weiter ausbauen. Die Emissionen werden weiterhin etwas schneller als die Primärenergienachfrage steigen, da der durchschnittliche Kohlenstoffgehalt im Primärenergieverbrauch zunimmt, damit hat sich der Trend der letzen zweieinhalb Jahrzehnte umgekehrt. Die Entwicklungsländer sind in diesem Szenario für über drei Viertel der Zunahme der CO2-Emissionen zwischen 2004 und 2030 verantwortlich. Kurz nach 2010 werden sie die OECD als grössten Emittenten hinter sich gelassen haben. Der Anteil der Entwicklungsländer an den Weltemissionen steigt von 39% im Jahr 2004 auf über 50% in 2030. Diese Zunahme erfolgt schneller als ihr Anteil an der tatsächlichen Energienachfrage, da ihr Energiemix kohlenstoffintensiver ist als der der OECD- und Transitionsländer. Im Allgemeinen verbrauchen die Entwicklungsländer mehr Kohle und weniger Gas. Allein China ist für 39% der Zunahme der Emissionen verantwortlich. Dort steigen die Emissionen auf mehr als das Doppelte zwischen 2004 und 2030, getrieben durch ein starkes wirtschaftliches Wachstum und grosser Abhängigkeit von kohlebasierter Energiegewinnung und Industrie. China überholt noch vor 2010 die USA als den weltgrössten Emittenten. Andere asiatische Länder wie Indien tragen ebenfalls stark zum Anstieg der globalen Emissionen bei. Die Pro-Kopf-Emissionen der Nicht-OECD-Länder bleiben trotzdem weit unter denen der OECD-Länder.

Den Ärmsten der Welt den Zugang zu Energie zu ermöglichen, ist eine dringliche Notwendigkeit.

Noch heute nutzen 2.5 Milliarden Menschen Holz, Holzkohle, Landwirtschaftsabfälle und Tierdung, um ihren täglichen Energiebedarf für Kochen und Heizen zu decken. In vielen Ländern machen diese Ressourcen über 90% des Haushaltsenergieverbrauchs aus. Der ineffiziente und nicht-nachhaltige Verbrauch von Biomasse hat schwerwiegende Konsequenzen für die Gesundheit, die Umwelt und die wirtschaftliche Entwicklung. Schockierender Weise sterben heutzutage immer noch 1.3 Millionen Menschen, meist Frauen und Kinder, verfrüht an den Folgen von Luftverschmutzungen durch im Haus verbrannte Biomasse. Es gibt Beweise dafür, dass in den Ländern, in denen sich die lokalen Preise den zur Zeit hohen internationalen Energiepreisen angeglichen haben, der Wechsel zu saubereren, effizienteren Wegen des Kochens tatsächlich verlangsamt, oder sogar rückgängig gemacht worden ist. Die Zahl derer, die Biomasse verwenden, steigt bis 2015 auf 2.6 Milliarden und mit steigender Population auf 2.7 Milliarden bis 2030. Das heisst, dass ein Drittel der Weltbevölkerung dann immer noch auf diese Brennstoffe angewiesen sein wird, dies ist ein kaum geringerer Teil als heute. Es gibt immer noch 1.6 Milliarden Menschen ohne Elektrizität. Um die Millenium-Entwicklungsziele der UN zu erreichen, müsste diese Zahl auf weit unter eine Milliarde bis 2015 fallen.

http://www.erdoel-vereinigung.ch/UserContent/Documents/Oilfacts/STudien/06_iea_energy%20outlook%202006_e_abstract_d.pdf